Was tun bei sturmbedingten Verkehrsunfällen?

Sturm weht PKW von der Straße

 

Der Wochenbeginn war  in weiten Teilen Deutschlands nicht nur durch fröhliches Karnevalstreiben, sondern auch durch das Sturmtief Bennet und seine Folgen geprägt. Das Wetter sorgte nicht nur für die Verlegung, sondern sogar zur Absage von Karnevalsumzügen, sondern mitunter sogar auch für Verkehrsunfälle.

Sturm weht PKW von der Straße

Einer dieser Unfälle ereignete sich, als am Montagnachmittag ein PKW im Kreis Varel eine Linkskurve durchfuhr, von einer starken Windböe erfasst wurde und dabei ins Schleudern geriet. Die Fahrt endete abrupt, als der Wagen von der Straße ab und kopfüber im Straßengraben zu liegen kam. Der Fahrer blieb dabei glücklicherweise unverletzt. Jedoch entstand erheblicher Sachschaden am Fahrzeug.  

Versicherer schieben gerne  Höhere Gewalt vor!

Zunächst kommt es darauf an, ob an dem  Unfall ein oder mehrere Kraftfahrzeuge beteiligt waren. Wenn mehrere Kraftfahrzeuge sturmbedingt miteinander kollidieren, wird die Haftung maßgeblich dadurch beeinflusst, ob der Wind als höhere Gewalt einzustufen ist oder nicht. Bei Windböen kann das, muss aber nicht der Fall sein. Und da für höhere Gewalt niemand haftet,  muss der Haftpflichtversicherer des den Unfall primär auslösenden Fahrzeugs den Schaden an den anderen Fahrzeugen auch nur dann bezahlen, wenn seine Ursache im Betrieb eines Kraftfahrzeugs oder eines Anhängers liegt (§ 7 Abs. 1 StVG).

Welchen Einfluss hat die Windstärke auf die Kaskoversicherung?

Wenn eine Windböe ein Fahrzeug von der Fahrbahn weht oder selbiges durch herumfliegende Äste oder Gegenstände beschädigt wird, ist der Kaskoversicherer nur dann zur Leistung verpflichtet, wenn der Wind mindestens Sturmstärke erreicht hat. Dies ist ab einer Stärke von 8 auf der Beaufort Skala, d.h. bei einer Luftgeschwindigkeit von mindestens 17,2-20,8 m/s der Fall.

Zudem muss ein unmittelbarer und direkter zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Schaden und dem Sturm bestehen. Wenn z.B. ein Baum direkt auf ein Fahrzeug fällt, dürfte daran kein Zweifel bestehen.

Wenn sich aber ein abgebrochener Ast zunächst im Baum verfängt und erst mehrere Stunden später    ein darunter abgestelltes Fahrzeug beschädigt (AG Bremen v. 16.1.2015, Az.: 7 C 323/14) dürfte es an dem direkten Zusammenhang fehlen. Allerdings könnten Ansprüche gegen die Kommune bestehen (vgl. BGH v. 04.03.2004, Az.: III ZR 225/03).

Wer mit seinem Fahrzeug gegen einen vom Sturm auf die Straße geworfenen Gegen­stand fährt, der dort bereits längere Zeit liegt, dürfte ebenfalls leer ausgehen (vgl. OLG Celle v. 14.07.1978, Az.: 8 U 3/78).  Jedoch empfiehlt es sich in derartigen Fällen zu prüfen, ob ggf. Ansprüche gegenüber dem Grundstückseigentümer oder Sicherungspflichtigen bestehen.