Was tun bei Überschwemmung? Wer bezahlt den Schaden am Auto?

 

 

Starke Regenfälle oder Tauwetter führen oft nicht nur zum Anstieg des Wasserpegels in Flüssen und Bächen, sondern auch zu Überschwemmungen. Wenn das Wasser auf Autobahnen und Landstraßen oder in Unterführungen nicht schnell genug abfließen kann, können sich schnell Wasseransammlungen unterschiedlicher Ausdehnung und Tiefe bilden. Demjenigen, der dann mit seinem Auto durch eine solche Lache fährt kann es passieren, dass Wasser in den Motor eindringt und einen sogenannten Wasserschlag verursacht. Wenn das Auto beschädigt ist, stellt sich in der Regel die Frage, ob der Versicherer den Schaden bezahlt.

Welche Versicherung deckt Wasserschäden am Auto ab?

Für Schäden infolge von Überschwemmungen ist in erster Linie die Teilkaskoversicherung zuständig. Ob aber ein Zahlungsanspruch besteht, hängt insbesondere von den Details des Schadenhergangs ab. Und wo in der Teilkaskoversicherung kein Anspruch besteht, kommt möglicherweise einer aus der Vollkaskoversicherung in Betracht.

Gibt es eine Faustregel?

Vereinfacht könnte man sagen, dass der Versicherer für den Schaden nur dann aufkommen muss, wenn das Waser auf das Fahrzeug zugekommen ist. Wenn das Fahrzeug in das Wasser hineingefahren wurde, besteht kein Anspruch. Grundsätzlich ist das auch richtig. Aber wie jede Faustregel, gibt auch diese nur eine grobe Orientierung.

Die Überschwemmung ist unverzichtbar!

Grundvoraussetzung dafür, um (wegen eines Wasserschlags) eine Leistung aus der Teilkaskoversicherung zu erhalten, ist zunächst eine Überschwemmung. Die ist immer dann gegeben, wenn Wasser in erheblichem Umfang, meist mit schädlichen Wirkungen, nicht auf normalem Wege abfließt, sondern auf sonst nicht in Anspruch genommenem Gelände in Erscheinung tritt und dieses überflutet. (vgl. BGH, Urt. v. 26.04.2006, Az. IV ZR 154/05; BGH Urt. v. 21. Mai 1964, Az.: II ZR 9/63).

Das ist für gewöhnlich der Fall, wenn Flüsse und Bäche über die Ufer treten oder das Wasser auf der Straße steht (und in das Fahrzeug eindringt). Aber nicht jede Überflutung eines Autos ist auch eine Überschwemmung. Wenn ein Auto zum Beispiel vor einer Hauswand abgestellt wurde und die Menge abspritzenden Wassers dazu führt, dass die Wasserkästen unterhalb der Scheibenwischer überlaufen und Wasser in den Innenraum eindringt und zu Elektronikschäden führt, dann liegt zwar ein Nässeschaden vor. Eine Überschwemmung, wie sie für die Leistung des Teilkasko-Versicherers erforderlich ist, ist aber nicht gegeben (OLG Hamm, Beschluss v. 21.01.2015, Az.: I-20 U 233/14).

Das Verhalten des Geschädigten spielt eine entscheidende Rolle!

Ob und in welchem Umfang ein Versicherer bezahlen muss, hängt auch maßgeblich davon ab, ob und in welcher Weise der Geschädigte zu der Entstehung des Schadens beigetragen hat, und ob der Versicherer sich auf eine sogenannte Obliegenheitsverletzung berufen kann.

Das wird er immer dann tun, wenn der Versicherungsnehmer es unterlassen hat, für die Abwendung und Minderung des Schadens zu sorgen (§ 82 VVG). Der Geschädigte geht dann zwar nicht zwingend komplett leer aus. Der Versicherer wird aber versuchen, seine Leistung mindestens zu kürzen. Ob er dabei übers Ziel hinaus schießt, kann in der Regel allerdings nur ein versierter Anwalt beurteilen.

Ungeachtet dessen lässt sich aber sagen, dass wer sein Fahrzeug - trotz Warnung - in einer überflutungsgefährdeten Zone abstellt oder nicht entfernt, im Regelfall leer ausgeht. Dasselbe gilt für denjenigen, der mit seinem Fahrzeug im Vertrauen darauf es werde schon gut gehen in einen überfluteten Straßenabschnitt (LG Lübeck v. 21. 11. 2003, Az.: 4 O 80/03) oder gar eine Unterführung einfährt und dort bereits eine längere Strecke zurückgelegt hat, bevor es zu dem Wasserschlag gekommen ist (OLG Frankfurt, Urt. v. 15.03.2000, Az.: 7 U 53/99). Nach Auffassung der Gerichte ist der Schaden in diesen Fällen nicht mehr auf eine unmittelbare Einwirkung der Überschwemmung, sondern auf das Verhalten des Fahrers zurückzuführen.

Wenn der Fahrer aber wegen der schlechten Sicht- und Witterungsverhältnisse die Gefahr einer Überschwemmung im Unterführungsbereich nicht erkennen konnte, kann es schon wieder ganz anders aussehen (LG Trier, Urt. v. 18.01.1996, Az.: 6 O 185/95). Garantiert ist dies aber nicht, denn nach Auffassung des OLG Karlsruhe, soll es auf das Verschuldens des Fahrers nicht ankommen (vgl. OLG Karlsruhe, Urt. v. 06.12.1995, Az.: 13 U 88/95).

Vom Grundsatz her sollte es aber Geld für denjenigen geben, der mit seinem Auto plötzlich von Wasser eingeschlossen wird (OLG Hamm, v. 02.11.2016, Az.: 20 U 19/16). Auch, wenn beim Durchfahren einer (normalen) Pfütze Wasser hochspritzt oder von einem entgegenkommenden Fahrzeug auf den eigenen PKW geworfen wird und zu einem Wasserschlag führt, dürfte dies als Unfall von der Teilkaskoversicherung gedeckt sein (OLG Hamm, Urt. v 31. Mai 1989 – 20 U 328/88). Wer aber in einer Wasserlache stehen bleibt, muss beweisen, dass nicht er in das Wasser hineingefahren sondern das Wasser um ihn herum angestiegen ist (vgl. LG Essen, Urt. v. 09.11.2015, Az. 18 O 231/15).

Hingegen dürfte derjenige einen Anspruch aus der Teilkaskoversicherung haben, bei dessen Fahrzeug es zu einem Schaden gekommen ist, während er seine Fahrt ganz normal, auf einer durch ein plötzliches Unwetter überfluteten Straße, fortgesetzt hat (vgl. OLG Stuttgart, Urt. v. 18.10.1973, Az.: 10 U 83/73). Das Landgericht Bochum sieht eine direkte Einwirkung auf das Fahrzeug gegeben, wenn der Fahrzeugführer in einen überschwemmten Straßenbereich hineinfährt, den er kurz zuvor bemerkt hat, sein Fahrweg aber von der Überschwemmung, z.B. durch Ausweichmanöver, nicht beeinflusst wird (LG Bochum, Urt. v. 21.04.2015, Az.: 9 S 204/14). Aber auch hier kommt es auf die Details an, und in hügeligem Gelände, bei dem nach heftigen Regenfällen mit dem Auftreten größerer Wasseransammlungen gerechnet werden muss, kann es schon wieder ganz anders aussehen (Bayerisches Oberstes Landesgericht, Urt. v. 27.01.1971, Az.: RReg 5 St 110/70).

Keine Leistung (aus der Teilkaskoversicherung) dürfte auch derjenige erhalten, dessen Fahrzeug an einem Ort steht, der mit zu erwartender Regelmäßigkeit überflutet wird, wie dies z.B. an einem Strand der Fall sein kann (vgl. OLG Hamm, Urteil v.26.06. 1992, Az.: 20 U 383/91). Abhängig von den Umständen des Einzelfalls, besteht aber möglicherweise ein Anspruch aus der Vollkaskoversicherung, z.B. wenn er im Schlick stecken bleibt. In speziellen Konstellationen kann übrigens auch ein Anspruch gegen den Träger der Straßenbaulast, d.h. die Gemeinde (OLG Hamm, Urt. v. 01.03.2002, Az.: 9 U 205/00) oder das Land (BGH, Urt. v. 21.11.2013, Az.: III ZR 113/13), gegeben sein.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Auch für die Kaskoversicherung gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen. Wenn es aber dennoch und trotz aller Sorgfalt zu einem Schaden gekommen sein sollte, ist es wichtig - nach Möglichkeit schon unmittelbar nach Schadenseintritt an - einen mit der Materie vertrauten Anwalt an seiner Seite zu haben. Denn wie die Ausführungen zeigen, können die Auffassungen der Gerichte nicht nur untereinander, sondern auch von Instanz zu Instanz völlig unterschiedlich sein. Die Kanzlei Voigt ist seit über 40 Jahren auf das Verkehrs und Versicherungsrecht spezialisiert. Wenn Sie es wünschen, kämpfen auch wir für die Durchsetzung Ihrer Ansprüche und Rechte, damit die Einsparungsbestrebungen der Versicherer nicht zu Ihren Lasten gehen!

(Veröffentlichungsdatum: 14.03.2017)

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