Jecken hinterm Steuer!

Jecken hinterm Steuer

Worauf Autofahrer im Karneval achten sollten!

 

Die nächsten Tage sind - zumindest in einigen Teilen Deutschlands - wieder maßgeblich durch närrisches Treiben geprägt. Damit Sie ohne Frust durch die närrischen Tage kommen, haben wir exemplarisch einige Hinweise zusammengestellt, die auch außerhalb der Karnevalszeit helfen können.

Wer fährt trinkt nicht - wer trinkt fährt nicht

Wer mit 0,3 Promille ein Fahrzeug führt, macht sich nicht strafbar. Wer aber Anzeichen von Fahrunsicherheit feststellt oder gar einen Unfall verursacht, für den kann schon vor Aschermittwoch alles vorbei sein. Von einem Bußgeld über die Entziehung der Fahrerlaubnis und Punkte, bis hin zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe ist vieles möglich. Versicherungsrechtlich sind z.B. der Mithaftungseinwand des Unfallgegners oder der Regress des Haftpflichtversicherers zu nennen. In der Kaskoversicherung kann der Versicherer teilweise oder vollständig von seiner Leistungspflicht befreit sein.

Die kritische Grenze ist schnell erreicht

Die Wirkung von Alkohol ist individuell verschieden und bereits das erste Glas kann eines zu viel sein. Bei einer Person mit 80 kg Körpergewicht beträgt der Blutalkoholgehalt nach einem halben Liter Bier (5 % Alkohol) 0,35 Promille. Wer weniger wiegt oder hochprozentige Liköre trinkt, erreicht diesen Wert - unbeabsichtigt - noch eher. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Alkohol und Wirkungsverstärker gleichzeitig konsumiert werden. Exemplarisch seien hier andere Drogen oder Powerdrinks genannt.
Die mit einem Anstieg des Blutalkoholgehalts verbundene Resorptionsdauer kann, abhängig davon, ob der Alkohol alleine oder z.B. begleitend zum Essen getrunken wird, bis zu zwei Stunden betragen.

Wie schnell wird Alkohol abgebaut?

Pro Stunde werden ca. 0,1 - 0,2 Promille abgebaut. Dieser Vorgang läuft natürlich ab und lässt sich weder durch kalte Duschen, Kaffee oder Vitaminsäfte beschleunigen. Dies gilt auch für sogenannte Promillekiller. Zudem ist es individuell verschieden, wann die "kritische Grenze" erreicht wird. Insbeosndere können Faktoren wie Größe, Geschlecht oder das Gewicht eine entscheidende Rolle spielen. 

Ein kleines Beispiel soll dies verdeutlichen:  Bei einem 80 kg schweren Mann kann eine Tasse Punsch zu einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille führen. Bei einer 60 kg schweren Frau können hingegen bereits 0,36 Promille vorliegen. Zudem ist entscheidend ist auch die Frage, wann das letzte alkoholische Getränk konsumiert wurde.

Selbst wer ohne Kater aufwacht, kann daher immer noch eine kritische Menge Restalkohol im Blut haben und sollte das Auto besser stehen lassen.

Welche Konsequenzen drohen?

Ab einem Blutalkoholgehalt von 0,5 Promille oder 0,25 mg/l drohen Bußgelder bis zu mehreren tausend Euro.  Ab 1,1 Promille stehen der Entzug der Fahrerlaubnis und eine mehrmonatigen Sperre für die Neuerteilung auf dem Programm. Die MPU, auch Idiotentest genannt, gibt es ab 1,6 Promille dazu. Wer allerdings z.B. bereits mehrfach durch Trunkenheit im Straßenverkehr aufgefallen ist, muss auch bei niedrigeren Werten damit rechnen.

Wer als Fahranfänger während der Probezeit oder vor Vollendung des 21. Lebensjahres erwischt wird, auf den warten nicht nur neue Bekanntschaften im Aufbauseminar, sondern auch eine zweijährige Verlängerung der Probezeit. Für begleitetes Fahren gilt, dass der Begleiter nicht mehr als 0,25 ml Alkohol in der Atemluft bzw. 0,5 Promille Blutalkoholgehalt haben darf.

Alkohol bei Radfahrern und Fußgängern

Selbst wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte sich von übermäßigem Alkoholkonsum fernhalten. Auch wer als Fahrradfahrer auffällig wird kann seine Fahrerlaubnis verlieren oder muss mit Punkten und der Anordnung einer MPU rechnen. Bei einem Unfall kann eine Alkoholisierung die eigenen Ersatzansprüche vermindern. Dies gilt auch für Fußgänger. Bei einer alkoholbedingten Bewusstseinsstörung kann, abhängig vom Einzelfall, sogar die Leistungspflicht der privaten Krankenversicherung in Frage stehen.

Für die Piloten von E-Scootern gelten die gleichen Promillegrenzen für Autofahrer!

Andere Rauschmittel

Cannabis und andere Rauschmittel mögen vorübergehend für gehobene Stimmung sorgen. Sie können aber ebenso dazu beitragen, dass der "Lappen" weg ist. Das gilt übrigens nicht nur für den Fahrer. Auch Beifahrer können ihre Fahrerlaubnis verlieren (vgl. Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, v. 10.02.2006, Az. 10 S 133/06). Die MPU danach ist Standard. Für die Versicherungsleistungen gelten die Ausführungen unter Alkohol.

Kostümiertes Autofahren

Gegen Kostüme oder Verkleidungen am Lenkrad ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Die Kostümierung darf allerdings weder die Sicht noch das Gehör des Fahrers beeinträchtigen. Insbesondere darf die Bewegungsfreiheit nicht merklich eingeschränkt werden. Wer kostümiert Auto fährt, muss also so fahren können, wie es bei normaler Kleidung möglich wäre. Auch die Kostüme von Mitfahrern dürfen den Fahrer nicht beeinträchtigen. Wirkt sich die Kostümierung negativ auf das Fahrverhalten oder die Reaktionsfähigkeit aus, kann sich dies bei einem Unfall auf den Versicherungsschutz auswirken.

Verkleidungen am Auto

Wer sein Auto kostümiert muss darauf achten, dass weder die Sicht noch die Sicherheit des Fahrzeugs im Übrigen beeinträchtigt sind. Insbesondere dürfen die Beleuchtungseinrichtungen nicht verdeckt werden. Entscheidend ist aber die Ausgestaltung der Kostümierung im Einzelfall. Detaillierte Ausführungen würden hier den Rahmen sprengen. Im Extremfall kann eine Verkleidung sogar zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen.

Foto: Polizeidirektion Pirmasens

Was ist wenn Sie kostümiert in eine Verkehrskotrolle geraten oder geblitzt werde?

Bei Verkehrskontrollen müssen die Beamten die Identität feststellen können. Wenn die Maskierung dies beeinträchtigt, muss sie im Zweifel abgenommen werden. Wer maskiert in einen Blitzer gerät und nicht identifiziert werden kann, kommt vielleicht um eine Geldbuße herum. Als Ausgleich kann aber eine Fahrtenbuchauflage winken.

Was ist bei Unfällen mit dem "Karnevalsgespann"?

Während die Prunkwagen bei den bekannten Umzügen in der Regel technisch abgenommen und speziell versichert sind, ist dies bei kleineren Veranstaltungen oftmals nicht gegeben. Da ein Treckergespann mit einem umfunktionierten Gummiwagen aber nur bedingt für den Personentransport geeignet ist, kommt es leider immer wieder auch zu schweren Unfällen. 

Es geht hier nicht darum den Spaß zu verderben. Aber bevor ein derartiges Gespann im Karnevalsumzug eingesetzt wird, sollte mit dem Haftpflichtverischerer geklärt werden, ob für diesen Zweck auch Versicherungsschutz besteht oder gewährt werden kann. 

Wenn dies nicht geklärt wird ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Versicherer auf die Verwendungsklausel verweist und den Schadenseratz verweigert (hierzu: OLG Karlsruhe, Urt. v. 30.04.1986, Az. 4 U 9/85). Zudem muss derjenige, der auf einem solchen Gespann mitfährt, sich unter Umständen einen Haftungsverzicht gegenüber dem Schädiger (Halter) entgegenhalten lassen, der sowohl gegenüber dessen Haftpflicht- aber auch dem Sozialversicherungsträger gegenüber wirksam ist OLG Frankfurt, Urt. v. 21.06.2005, Az.14 U 120/04). Sofern keine Genehmigung für den Einzelfall vorliegt (§ 7 Abs. 2 PBefG), können zudem Probleme wegen eines Verstoßes gegen das Personenbeförderungsrecht drohen.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Grundsätzlich gilt: Verfallen Sie nicht in Panik, sondern bewahren Sie Ruhe! Reden ist Silber, Schweigen ist Gold! Dies gilt insbesondere dann, wenn sich herausstellt, dass das letzte Glas, trotz aller Vorsicht und Zurückhaltung, eben das eine Glas zu viel war. Zeigen Sie Führerschein und Zulassungspapiere, wenn gewünscht auch Warndreieck und Verbandskasten vor und ermöglichen Sie den Beamten die Überprüfung von Zustand, Ausrüstung und Beladung.

Übrigens: Eine Ausnüchterungszelle ist kein 4**** Hotel und Polizisten im Dienst tragen auch während des Karnevals keine Kostüme, sondern Uniformen!

(Veröffentlichungsdatum: 20.02.2020)

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Kanzlei Voigt, Dortmund

 


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