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13.06.2017

'Freies Fahren' auf Rennstrecken ohne Versicherungsschutz

Zum Urteil des OLG Hamm vom 01.02.2017 (Az.: 20 U 213/16 )

Einmal auf der Nordschleife des Nürburgrings fahren, davon träumt so mancher Autofahrer. Doch wer im Rahmen eines solchen "Freien Fahrens" verunglückt, kann böse aus seinem Traum erwachen: Schließt der Versicherer in seinen Allgemeinen Bedingungen für die Kraftfahrzeugversicherung (AKB) "Touristenfahrten auf offiziellen Rennstrecken" vom Versicherungsschutz aus, wird es teuer.

Was war passiert?

Ein Autofahrer nahm mit seinem Pkw außerhalb eines offiziellen Rennens an einem "Freien Fahren" auf der Nordschleife des Nürburgrings teil. Dort verunfallte er mit seinem Fahrzeug und forderte seinen Kaskoversicherer zur Regulierung des Schadens in Höhe von ca. 8.200 Euro auf.

Der Versicherer lehnte die Regulierung ab. Als Grund verwies er auf Ziffer A.2.17.4 der für den Vertrag geltenden AKB. Darin hieß es unter der Überschrift "Touristenfahrten": "Kein Versicherungsschutz besteht für Touristenfahrten auf offiziellen Rennstrecken."

Der Autofahrer hielt die Klausel für unwirksam und ging vor Gericht.

Die Entscheidung des Gerichts

Das Landgericht (LG) Hagen wies das Begehren des Autofahrers ab und so ging dieser in Berufung. Vor dem OLG Hamm argumentierte der Autofahrer, dass das "Freie Fahren" keine "Touristenfahrt" gewesen sei. Zudem sei der Nürburgring vor Fahrtbeginn umgewidmet worden - von einer "öffentlichen Rennstrecke" in eine "mautpflichtige Einbahnstraße". Dazu legte er die Fahrordnung und die Sicherheitsregeln des Nürburgrings vor.

Das OLG Hamm schloss sich seinen Ausführungen nicht an. Nach Auffassung der Richter war die Unglücksfahrt vom Versicherungsschutz - wirksam - ausgenommen. In den vom Autofahrer selbst vorgelegten Unterlagen  (der Fahrordnung und den Sicherheitsregeln) wurde die Fahrt als "Touristenfahrt" bezeichnet.

Aus der Formulierung der Ausschlussklausel gehe - auch für den Laien verständlich - hervor, dass die Strecke während der "Touristenfahrt" nicht zwingend als offizielle Rennstrecke ausgewiesen sein muss. Vielmehr genüge es, wenn "die Strecke - wie hier - in Zeiten organisierter Veranstaltungen als ‚offizielle Rennstrecke‘ im Sinne einer Strecke für ein Rennen dient und auch außerhalb dieser Zeiten dem öffentlichen Verkehr nicht frei zugänglich ist."

Schließlich sei der für den durchschnittlichen Versicherungsnehmer ohne Weiteres erkennbare Sinn und Zweck der Klausel (…), das erhöhte Risiko von Unfällen im Rahmen ‚freier Fahrten‘ auf Rennstrecken auch außerhalb von offiziellen Rennveranstaltungen vom Versicherungsschutz auszuschließen. Damit bestand kein Anlass die Klausel für unwirksam zu erklären.

Und so unterlag der Autofahrer auch in zweiter Instanz.

Kanzlei Voigt Praxistipp

Nicht alle Versicherungsbedingungen sind identisch. Vor der Teilnahme an derartigen Veranstaltungen empfiehlt es sich daher vorab mit dem Versicherer abzuklären, ob Versicherungsschutz besteht - und falls ja, in welchem Umfang. So lässt sich ein böses Erwachen und viel Ärger ersparen. Im Zweifelsfall können Sie einen versierten und erfahrenen Juristen zu Rate ziehen. Die Rechtsanwälte der ETL Kanzlei Voigt stehen Ihnen gerne zur Seite.

Kein Versicherungsschutz der Kasko besteht dagegen in jedem Fall bei der Teilnahme an illegalen Straßenrennen.

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Rechts-Tipp
Autor(en)


Anita Heinemann
Rechtsanwältin

Mail: zentrale@kanzlei-voigt.de


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