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24.08.2019

Urteil des Amtsgerichts Bochum, vom 31.05.2019, Az. 40 C 411/18

Nach einem Autounfall kann der Geschädigte verlangen, dass der Versicherer des Schädigers den zur Beseitigung des Schadens erforderlichen Geldbetrag leistet. Bei unfallbedingten Sachschäden sind dies insbesondere die Reparaturkosten. Und da Geschädigte in der Regel keine Fachleute sind, haben sie das Recht, einen qualifizierten Gutachter mit der Erstellung des erforderlichen Schadensgutachtens zu beauftragen. Dessen Kosten hat der gegnerische Versicherer dann zu ersetzen.

Sachverständigenkosten dürfen sich an der Höhe des Schadens orientieren

Erstattungsfähig sind die Kosten, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und angemessen erscheinen. Dies ist gegeben, wenn sich die Kosten im Rahmen des zur Wiederherstellung Erforderlichen halten (vgl. BGH, Urt. v. 23.01.2007, Az. VI ZR 67/06) und betrifft auch die Sachverständigenkosten. Für diese gilt, da auch hier die des Einzelfalls entscheiden, dass das Honorar selbst dann angemessen sein kann, wenn es oberhalb der Werte der VKS/BVSK-Umfrage liegt (BGH v. 11.02.2014, Az. VI ZR 225/13). Insbesondere ist nichts daran auszusetzen, wenn sich die Höhe des Gutachtens an der Schadenshöhe orientiert. Schließlich schuldet der Sachverständige die richtige Ermittlung des Schadensbetrags als Erfolg und haftet auch dafür.

Geschädigte müssen keine Marktforschung betreiben!

Geschädigte sind grundsätzlich nicht zur Erforschung des zugänglichen Sachverständigenmarktes verpflichtet und sie müssen auch nicht den Sachverständigen ausfindig machen, der für den Schädiger und dessen Haftpflichtversicherer am günstigsten ist. Allerdings verbleibt ein gewisses Restrisiko für den Fall, dass ein Sachverständiger beauftragt wird, der sich später im Prozess als zu teuer erweist.

Wenn der Versicherer allerdings die Übernahme der Kosten nur deshalb verweigert, weil sich das Honorar des Sachverständigen an der Schadenshöhe orientiert, dürfte er damit wenig Erfolg haben. Schließlich trägt eine an der Schadenshöhe orientierte, angemessene Pauschalierung des Honorars dem Umstand Rechnung, dass das Honorar des Sachverständigen die Gegenleistung für die Feststellung des wirtschaftlichen Werts der Forderung des Geschädigten ist (BGH, Urteil vom 4. 4. 2006 – X ZR 122/05). Daran hat sich bis heute auch nichts geändert.

Fazit

Geschädigte können den Sachverständigen grundsätzlich frei wählen und der gegnerische Versicherer hat dessen Kosten zu erstatten. Wenn er dies verweigert, sollte der Geschädigte einen Anwalt konsultieren.

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