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28.02.2019

Vollkaskoversicherung muss Schäden durch allein losfahrendes Automatikfahrzeug bezahlen!

Oberlandesgericht Braunschweig vom 11.02.2019 (Az. 11 U 74/17)

Ein Autofahrer war bei einem missglückten Rettungsmanöver mit seinem Fahrzeug gegen eine Toreinfahrt gefahren. Da der Kaskoversicherer sich weigerte die Bezahlung der Reparaturkosten bezahlen, musste der Autofahrer seinen Anspruch gerichtlich geltend machen. Der Prozess endete damit, dass das Oberlandesgerichts Braunschweig den Versicherer zur Zahlung der Reparaturkosten verurteilte.

Wie begründete der Geschädigte seinen Anspruch?

Der Kläger begründete seinen Anspruch damit, dass die Schäden bei einem – von der Vollkaskoversicherung gedeckten –  Unfall entstanden seien. Sein Automatik-Fahrzeug habe sich selbständig in Bewegung gesetzt, obwohl er ausgestiegen sei und niemand am Steuer gesessen habe. Bei dem Versuch das Fahrzeug zu stoppen, sei er aufs Gaspedal gekommen. Das Fahrzeug sei daraufhin nach vorne geschossen, habe einen Torflügel durchbrochen und zwei Stützpfeiler mitgenommen.

Auch ungewöhnliche Unfälle können die Zahlungspflicht des Versicherers auslösen!

Der Versicherer glaubte dem Kläger nicht – das Oberlandesgericht schon. In seiner Entscheidung berücksichtigte es, dass der Sachverhalt zwar im Einzelnen nicht aufgeklärt werden könne. Da aber fest stehe,  dass die Schäden nach Art und Beschaffenheit nur auf einen Unfall beruhen könnten, reiche dies für eine Einstandspflicht der Versicherung aus.

Es ist von Vorteil, wenn der Unfallhergang plausibel geschildert wird!

Dem Senat genügten die Angaben des klägerischen Autofahrers, um vom geschilderten Unfallhergang überzeugt zu sein. Entscheidend mag dabei gewesen sein, dass die Schilderung vor Gericht mit den Angaben übereinstimmte, die der Kläger unmittelbar nach dem Unfall gegenüber verschiedenen Zeugen gemacht hatte.

Auch konnte der gerichtliche Sachverständige bestätigen, dass die Spuren am Fahrzeug und in der Toreinfahrt zueinander passten und der vom Kläger geschilderte Unfallhergang plausibel sei. Immerhin habe sich das klägerische Fahrzeug auch bei einem der Versuchsabläufe des Sachverständigen mit einem auf N gestellten Hebel selbständig in Bewegung gesetzt.

Der Versicherungsschutz sei nicht deshalb beeinträchtigt, weil der Kläger selbst das Gaspedal betätigt hatte und das Fahrzeug so in das Tor gefahren war. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme sei davon auszugehen, dass der Kläger versehentlich auf das Gaspedal gekommen sei, als er versucht habe, sein allein fahrendes Automatikfahrzeug anzuhalten.

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