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Unfallschadenregulierung

Merkantiler Minderwert

Der merkantile Minderwert beschreibt „die Minderung des Verkaufswertes zu verstehen, die trotz völliger und ordnungsmäßiger Instandsetzung des Fahrzeugs allein deshalb verbleibt, weil bei einem großen Teil des Publikums, vor allem wegen des Verdachts verborgen gebliebener Schäden, eine den Preis beeinflussende Abneigung gegen den Erwerb unfallgeschädigter Kraftfahrzeuge besteht. Während beim realen oder technischen Minderwert nach der Instandsetzung noch Mängel zurückbleiben, welche die Betriebssicherheit, die Lebensdauer oder das äußere Ansehen des Wagens beeinflussen und daher seinen Gebrauchswert beeinträchtigen, ist bei dem hier in Betracht kommenden merkantilen Minderwert, der ein völlig und ordnungsgemäß instandgesetztes Fahrzeug voraussetzt, nicht der Gebrauchswert, sondern wegen der Eigenschaft, ein „Unfallwagen“ zu sein, nur sein Verkaufswert beeinträchtigt“ (BGH, Urt. v. 29.04.1958, Az. VI ZR 82/57;  BFH v. 31.01.1992, Az. VI R 57/88). Im Bereich der Kaskoversicherung ist der merkantile Minderwert dem unmittelbaren Sachschaden zuzurechnen (BGH, Urt. v. 08.12.1981, Az. VI ZR 153/80).

Der merkantile Minderwert ist dabei nicht auf Personenkraftfahrzeuge beschränkt, sondern ist auch bei Nutzfahrzeugen anzuerkennen. „Auch hier ist ein großer Teil der Käufer – vor allem wegen des Verdachts verborgen gebliebener Schäden und der möglicherweise bestehenden höheren Schadensanfälligkeit reparierter Wagen – nicht bereit, für wiederinstandgesetzte Unfallfahrzeuge denselben Preis zu zahlen wie für entsprechende unbeschädigte Wagen“ (BGH, Urt. v. 18.09.1979, Az. VI ZR 16/79).

Eine abschließende Festlegung, bis zu welcher Grenze nach heutigen Maßstäben ein merkantiler Minderwert zuerkannt werden kann, existiert nicht (vgl. BGH Urt. v. 23.11.2004, Az. VI ZR 357/03).

Was ist bei Unikaten?

Bei speziell umgebauten Fahrzeugen mit Einzelstückcharakter, bei den der Umbau mit Teilen erfolgte, die in den Richtlinien des Ursprungsherstellers nicht vorgesehen sind, sollen die herkömmlichen Berechnungsmethoden (Marktrelevanz- und Faktorenmethode) nicht herangezogen werden können. Zur Begründung hat das Gericht ausgeführt, dass in Anbetracht eines nicht vorhandenen Marktes für derartige das streitgegenständliche Fahrzeug mit Unikatscharakter und in Ermangelung heranziehbarer Vergleichsfälle ein merkantiler Minderwert nicht bestimmt werden könne, sodass ein diesbezüglicher Schadensersatzanspruch ausscheide (OLG München, Endurteil v. 19.05.2021, Az. 7 U 2338/20).

(Letzte Aktualisierung: 01.03.2022)

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