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Unfallschadenregulierung

Reinigungskosten

Nach der Reparatur eines Kraftfahrzeugs, insbesondere nach der Durchführung umfangreicher Blech- und Lackierarbeiten, ist in der Regel eine Reinigung erforderlich, bevor es wieder an den Kunden übergeben wird.

Versicherer verweigern die Erstattung der Reinigungskosten gerne mit der Behauptung, dass sie zum Kundenservice und somit nicht zu den erstattungsfähigen Aufwendungen gehöre.  Allerdings sind die Kosten der Reinigung als adäquat kausal dem Unfallgeschehen zugehörig zu betrachten und schon deshalb vom Versicherer zu erstatten.

Die Gerichte sehen die Versicherer in der Zahlungspflicht

Dies betrifft übrigens nicht nur die Kosten einer Reinigung nach, sondern auch vor der Instandsetzung.

So hat z.B. das AG Cham die Kosten einer Reinigung vor der Lackierung als ersatzfähig eingestuft, weil diese aufgrund eines Farbtonabgleichs unverzichtbar war (AG Cham, Urt. v. 22.08.2007, Az. 7 C 250/05).

Für die Reinigung nach durchgeführter Arbeit gilt, dass ein Fahrzeug einwandfrei, d.h. auch sauber, an den Geschädigten zurückzugeben ist. Dies gilt insbesondere nach umfangreichen Lackier- und Schleifarbeiten, bei denen insbesondere auch der Innenbereich des Fahrzeugs verunreinigt wird und naturgemäß wieder gereinigt werden muss (AG Coburg, Urt. v. 25.04.2017, Az.15 C 4/17).

Der Umstand, dass eine Reinigung in vielen Reparaturbetrieben kostenfrei erfolgt und zum Service gehört, spielt insbesondere bei der konkreten Abrechnung keine Rolle (AG Rastatt, Urt. v. 23.09.2016, Az. 3 C 235/16). Die Feststellung in einem Urteil des AG Coburg vom 06.04.2020 (Az. 15 C 155/20) bringt es auf den Punkt. Dort heißt es wörtlich: „Dass ein Reparaturbetrieb oder Lackierer das Fahrzeug ungereinigt zum Lackierer bringt oder gar eine Fahrzeugreinigung unentgeltlich erbringen soll … ist nicht nachvollziehbar. Ein solcher Anspruch für eine kostenfreie Tätigkeit ergibt sich auch nicht aus irgendwelchen Gesetzesvorschriften.“

Dem AG Schwäbisch Gmünd zufolge (Urt. v. 17.03.2014, Az. 4 C 890/13), sind die für eine Fahrzeugreinigung angefallenen Kosten bei fremd vergebenen Lackierarbeiten schon deshalb erstattungspflichtig, da die Reinigung erforderlich ist, um das Ergebnis kontrollieren zu können.

Da ein Geschädigter den zur Schadensbeseitigung erforderlichen Herstellungsaufwand gemäß § 249 BGB  in dem Umfang verlangen kann, den ein wirtschaftlich vernünftig denkender Mensch aus Sicht des Geschädigten für erforderlich halten durfte,  sind die Reinigungskosten insbesondere dann zu erstatten, wenn ein Geschädigte den Reparaturauftrag gemäß Sachverständigengutachten in Auftrag gibt und dies auch die Reinigungskosten aufführt (AG BUxtehude, Urt. v. 11.03.2021, Az. 31 C 529/20).

Mitunter kann auch das Maß der Verunreinigung eine Rolle spielen. (AG Tuttlingen, Urteil vom 26. 06.2019 – Az. 3 C 683/18; AG Recklinghausen, Urt. v. 15.01.2018, Az. 51 C 232/17).

Bei den Kosten einer allgemeinen Fahrzeugreinigung, die nur bei Gelegenheit und nicht aufgrund der Reparatur erfolgt, fehlt die Rückführbarkeit auf das Unfallereignis und damit die haftungsausfüllende Kausalität. Dem AG Bremen zufolge (Urt. v. 25.09.2020, Az. 9 C 008/20) sind die Kosten in diesem Fall nicht zu erstatten.

(Letzte Aktualisierung: 20.07.2021)

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