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Unfallschadenregulierung

Sachverständigenkosten

Der ständigen Rechtsprechung zufolge, gehören die Kosten für die Erstellung eines Sachverständigengutachtens zu den unmittelbar mit dem Schaden verbundenen Positionen. Ersatzfähig sind dabei nicht nur die Kosten des Sachverständigengutachtens als solchem, sondern z.B. auch diejenigen für den Einsatz einer Hebebühne oder die Begleitung des Sachverständigen anfallen (AG Hamburg Altona, Urt. v. 26.06.2019, Az. 318c C 25/19). Sie sind auszugleichen, soweit das Gutachten zur Geltendmachung des Schadensersatzanspruchs erforderlich und zweckmäßig ist (BGH, Urt. v. 19.07.2016, Az. VI ZR 491/15; AG Potsdam, Urt. v. 06.02.2020, Az. 24 C 155/19). Dabei entspricht es billigem Ermessen, wenn der Sachverständige die Höhe seiner Vergütung an dem Wert des Schadens orientiert (AG Essen, Urt. v. 07. 01.1999, Az. 12 C 208/96.) Dabei ist es auch nicht zu beanstanden, wenn der Sachverständige eine aus Grundhonorar und Nebenkosten zusammengesetzte Rechnung erstellt AG München, Urt. v. 11.07.2014, Az. 343 C 7578/14 ).

Bei sogenannten Bagatellschäden wird in der Regel die Vorlage eines Kostenvoranschlags mit Lichtbildern als ausreichend betrachtet.

Bei der Beantwortung der Frage, ob die Einschaltung eines Sachverständigen erforderlich ist, ist auf die Sicht des Geschädigten zum Zeitpunkt der Beauftragung abzustellen (BGH, Urt. v. 30.11.2004, Az. VI ZR 365/03). Dies ist z.B. dann anzunehmen, wenn ein Geschädigter von vornherein erkennen kann, dass ein Gutachten nicht erforderlich ist, weil versteckte Schäden ausgeschlossen sind (AG München, Urt. v. 26.03.2019, Az. 322 C 19773/18). Da der Sachverständige kein Erfüllungsgehilfe des Geschädigten ist, muss der gegnerische Versicherer in der Regel auch überhöhte Sachverständigenkosten erstatten (AG Offenbach am Main, Urt. v. 20.07.202, Az. 36 C 102/20; OLG Naumburg, Urt. v. 20.01.2006, Az. 4 U 49/05).

Was gilt für die Beauftragung des Kfz-Sachverständigen?

Ein Geschädigter darf den ihm in seiner Lage ohne weiteres erreichbaren Sachverständigen beauftragen. Er ist nicht verpflichtet, zunächst eine Marktforschung nach dem honorargünstigsten Sachverständigen betreiben (vgl. BGH, Urt. v. 11.02.2014, Az. VI ZR 225/13; AG Meppen, Urt. v. 16.09.2019, Az. 3 C 182/19).

Da der vom Geschädigten beauftragte Privatgutachter nicht sein Erfüllungsgehilfe gegenüber dem Schädiger i.S. von §§ 254 II 2, 278 BGB  ist (vgl. OLG Hamm, Urt. v. 14.10.1992, Az. 13 U 141/92;  v. 13.05.1992, Az. 13 U 14/92), hat der Schädiger grundsätzlich auch die Kosten eines unzutreffenden Privatgutachtens zu ersetzen. Das gilt nur dann nicht, wenn der Geschädigte (gem. § 254 II BGB) die Unrichtigkeit des Gutachtens selbst verschuldet hat, weil er z.B. Vorschäden nicht angegeben hat (z.B. OLG München, Urt. v. 08.07.2020, Az. 10 U 3947/19).

Dies ändert aber nichts an dem Umstand, dass „nicht der vom Sachverständigen in Rechnung gestellte Betrag als solcher, sondern allein der vom Geschädigten in Übereinstimmung mit der Rechnung tatsächlich erbrachte Aufwand einen Anhalt zur Bestimmung des zur Herstellung erforderlichen Betrags im Sinn von § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB“ liefert (BGH, Urt. v. 29.10.2019, Az. VI ZR 104/19, m.w.N.).

Sind die Kosten für ein zweites Gutachten zu erstatten?

Geschädigte sind berechtigt, „ein Zweitgutachten einzuholen und die Erstattung der Kosten des Zweitgutachtens bzw. die Freihaltung von der Kostenforderung des Zweitgutachters vom Schädiger zu beanspruchen, wenn das Erstgutachten vom Schädiger oder von dessen Haftpflichtversicherer in Auftrag gegeben worden ist und aus Sicht des Geschädigten begründete Zweifel an der Richtigkeit dieses Gutachtens bestehen“ (AG Lübeck, Urt. v. 24.09.2020, Az.  26 C 853/20).

 

(Letzte Aktualisierung: 07.04.2021)

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