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Versicherungsrecht

Aufklärungsobliegenheit

Die Aufklärungsobliegenheit verpflichtet Geschädigte alles zu tun, was der Sachaufklärung und Schadensminderung im Versicherungsfall dienlich ist. Insbesondere müssen Geschädigte Fragen des Versicherers zu den Umständen des Schadenereignisses, zum Umfang des Schadens und der Leistungspflicht wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. Die Musterbedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB 2015) regeln dies in Buchstabe E.1.1.3.

Wie weit geht die Aufklärungsobliegenheit?

Der Zweck der Aufklärungspflicht besteht in erster Linie darin, den Versicherer in die Lage zu versetzen, in Hinblick auf das Schadensereignis sachgerechte Entschlüsse zu treffen. Eine Verletzung kommt daher nicht Betracht, wenn der Versicherungsnehmer bei der Schadensanzeige Umstände verschweigt, die dem Versicherer bereits bekannt sind, z. B. weil ein „verschwiegener“ Vorschaden bereits zuvor im Rahmen der Kaskoversicherung reguliert worden und somit beim Versicherer aktenkundig war.

Ein Geschädigter kann sich nicht darauf berufen, dass der Versicherer auf anderem Wege noch rechtzeitig von den Umständen erfahren oder sich die Kenntnisse anderweitig – z.B. durch eine Dateiabfrage – hätte verschaffen können (BGH, Urt. v. 17.01.2007, Az. IV ZR 106/06).

Nach einem Versicherungsfall ist die Aufklärungs- oder Auskunftsobliegenheiten nur solange zu erfüllen, wie der einem Versicherer noch prüfungs- und damit verhandlungsbereit ist. Lehnt der Versicherer  die Leistung endgültig ab oder hält er an ihr fest, enden die Verhandlungen über eine Entschädigungsleistung, während derer der Versicherer auf Angaben eines redlichen Versicherungsnehmers angewiesen ist.  Ein Erfordernis zur Erfüllung der Auskunfts- und Aufklärungsobliegenheiten besteht dann nicht mehr (BGH, Urt. v. 13.03.2013, Az. IV ZR 110/11).

Ob die Aufklärungsobliegenheit verletzt worden ist, hängt maßgeblich den Umständen des Einzelfalls ab. So hat beispielsweise das OLG Karlsruhe (Urt. v. 06.08.2020, Az.12 U 53/20) eine Verletzung der Aufklärungsobliegenheit für einen Sachverhalt verneint, bei dem der Versicherungsnehmer „nach einem schweren Verkehrsunfall ohne Fremdbeteiligung und bei klarer Haftungslage zur Nachtzeit im Januar auf einer Landstraße in dörflicher Gegend, bei dem er sich eine blutende Kopfverletzung zugezogen hatte, trotz eines verursachten Fremdschadens von ca. 200 EUR den Unfallort zur ärztlichen Abklärung seines Gesundheitszustandes ohne Einhaltung einer Wartezeit“ verlassen hatte. Die Obliegenheit zur unverzüglichen nachträglichen Ermöglichung von Feststellungen, sah das Gericht aufgrund der telefonischen Unterrichtung der Polizei am nächsten Morgen in diesem Fall als gewahrt an.

Die Kenntnis der nach Eintritt des Versicherungsfalles mitzuteilenden Umstände bei Verletzung einer Aufklärungsobliegenheit gehört zum objektiven Tatbestand, den der Versicherer zu beweisen hat (OLG Brandenburg, Urt. v. 31.08.2020, Az. 11 U 70/17, BGH, Beschl. v. 12.12.2007, Az. IV ZR 40/06;  Urt. v. 13.12.2006, Az. IV ZR 252/05).

Was droht bei Verletzung der Aufklärungsobliegenheit? 

Die Folgen einer Verletzung der Aufklärungsobliegenheit treten nicht automatisch ein. Sie hängen „von der Entschließung des Versicherers ab, die gegenüber dem Versicherungsnehmer zu erklären ist“ (BGH, Urt. v. 26.01.2005, Az. IV ZR 239/03).

Gemäß § 28 Abs. 2 S. 1 VVG kann die vorsätzliche Verletzung der Aufklärungspflicht zum Entfall des Versicherungsschutzes führen. Bei grob fahrlässiger Verletzung der Aufklärungspflicht ist der Versicherer zur Kürzung seiner Leistungen berechtigt (§ 28 Abs. 2 S. 2 VVG), außer der Versicherungsnehmer kann nachweisen, dass er nicht grob fahrlässig gehandelt hat.

(Letzte Aktualisierung: 16.08.2021)

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