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Unfallschadenregulierung

Restwert

Beim Restwert handelt es sich um den Wert eines Fahrzeugs eine Sekunde nach dem Unfall, also im beschädigten Zustand. Der Restwert ist durch einen Sachverständigen konkret anhand von mindestens drei Kaufangeboten auf dem regionalen Markt zu ermitteln. Es muss einem privaten Geschädigten möglich sein, „das Fahrzeug einer ihm vertrauten Vertragswerkstatt oder einem angesehenen Gebrauchtwagenhändler bei dem Erwerb des Ersatzwagens in Zahlung zu geben“ (BGH, Urt. v. 25.06.2019, Az. VI ZR 358/18).

Entscheidend ist, dass der Sachverständige drei Angebote regionaler Firmen eingeholt hat (AG Kaufbeuren, Urt. v. 23.03.2020 – Az. 4 C 42/20; LG Gießen, Urt. v. 14.08.2020, Az. 3 O 479/19). Dabei ist es unschädlich, wenn die Höhe der Angebote durchgängig 0,00 Euro beträgt, sofern der Wert nachvollziehbar begründet ist und der Geschädigte nicht ohne weiteres und ohne besondere Anstrengung einen höheren Restwerterlös hätte erzielen können (BGH, Urt. v. 01.06.2010 – Az. VI ZR 316/09).

In diesem Fall darf der Geschädigte im Vertrauen auf die Richtigkeit des im Gutachten ausgewiesenen Restwertes das Fahrzeug zu dem dort genannten Preis verkaufen (z.B. LG München I, Urt. v. 08.08.2014 – Az.: 17 S 6325/14). Dabei ist es ausreichend, wenn der Restwert für den Geschädigten – ex ante – nachvollziehbar ist (AG Bad Hersfeld, Urt. v. 05.12.2019, Az. 10 C 606/19(20). Die Ermittlung des Restwerts kann dabei auch auf dem – für den Unfallort maßgeblichen – regionalen Markt erfolgen. Geschädigte sind nicht verpflichtet, das beschädigte zunächst an ihren Wohnort zu transportieren, um es dort zu veräußern (OLG Hamm, Urt. v. 11.12.2020, Az. 11 U 5/20)

Dies gilt auch in der Kaskoversicherung. Selbst wenn die AKB regeln sollten, dass der Restwert des beschädigten oder zerstörten Fahrzeugs der Veräußerungswert im beschädigten Zustand sein soll. Insbesondere kann ein durchschnittlicher Kaskoversicherungsnehmer nicht gezwungen werden, sein Fahrzeug in ein geografisch weit entferntes Land zu veräußern, das ihm gar nicht zugänglich ist. Wählt der Geschädigte die fiktive Abrechnung, ist bei der Bestimmung des Restwertes des Fahrzeugs lediglich der regionale Markt für den Aufkauf solcher Fahrzeuge am Sitz des Versicherungsnehmers in den Blick zu nehmen (BGH, Urt. v. 14.04.2021, Az. IV ZR 105/20).

Dem LG Stuttgart zufolge, muss sich ein Geschädigter nicht das Restwertangebot eines, im konkreten Sachverhalt aus Litauen stammenden, Anbieters anrechnen lassen, dessen Seriosität er nur nicht überprüfen kann (LG Stuttgart, Urt. v. 14.08.2019, Az. 4 S 76/19). Dubiose, illusorische Restwertangebote muss ein Geschädigter ohnehin nicht annehmen (vgl. AG Ludwigsburg, Urt. v. 19.07.2017, Az. 6 C 567/17).

Dem OLG Frankfurt zufolge (Urt. v. 19.01.2010, Az. 22 U 49/08),  ist ein Geschädigter zur Annahme eines Restwertangebots ohnehin nur verpflichtet, „wenn auf diesem klar und deutlich die kostenfreie Abholung gegen Barzahlung vermerkt ist und er ohnehin bereit ist, das Fahrzeug sofort zu verkaufen. Benötigt der Geschädigte noch Zeit, über eine anderweitige Verwertung zu entscheiden, muss er auf ein zeitlich befristetes Angebot nicht eingehen.“ 

Ein Geschädigter muss sich weder um bessere Angebote bemühen, noch dem Schädiger oder dessen Versicherer vor dem Verkauf die Gelegenheit geben, selbst nach einem besseren Angebot zu suchen und dies dem Geschädigten zu präsentieren. Hat der Geschädigte das Fahrzeug allerdings noch nicht verkauft, wenn ihn ein höheres Restwertangebot erreicht, kann dieses für ihn beachtlich sein, wenn dieses Angebot den Vorgaben des BGH entspricht. Ein Geschädigter verstößt daher nicht gegen seine Schadenminderungspflicht, wenn bei der Ermittlung des Restwerts der regionale Markt vollständig einbezogen und ausgewertet worden ist  (OLG Hamm, Urt. v. 23. 09.2020, Az. I-11 U 23/20; v. 28.09.2018, Az. I-9 U 137/16).

Sofern sich ein Geschädigter aber „jedenfalls auch mit dem An- und Verkauf von Gebrauchtwagen befasst, [ist] die Inanspruchnahme des Restwertmarktes im Internet und die Berücksichtigung dort abgegebener Kaufangebote ohne weiteres zuzumuten“ (BGH, Urt. v. 25.06.2019, Az. VI ZR 358/18).

Siehe auch: Restwertwertbörse

(Letzte Aktualisierung: 27.07.2021)

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